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VOM SOG DES SCHEINBAR PLANLOSEN VORGEHENS

EINIGE VIELLEICHT SO NICHT ERWARTETE BETRACHTUNGEN ÜBER MÖGLICHE METHODEN DES PLÄNESCHMIEDENS

Man sagt: Planung ist das halbe Leben. Aber: Laut Statistik verbringen wir die Hälfte des Lebens im Dämmer-, Schlaf- oder Trägheitszustand. Eine Zwickmühle. Denn: Den Seinen gibt’s der Herr im Schlaf, angeblich. Was also tun? Wir geben dem Wachsein den Vorzug. Hier ein Leitfaden zum Thema „Alles über Pläne“.

WAS MAN WISSEN MUSS

Pläne werden geschmiedet (veraltete Form), ins Auge gefasst (schmerzhafte Form), über den Haufen geworfen (frustrierende Form). Eine Ansammlung unterschiedlichster Pläne wird als Planetarium bezeichnet. Formt ein entrüsteter Vorgesetzter aus einem Plan einen Papierflieger, wird daraus immerhin ein Aeroplan. Pläne werden geboren. Ehe sie das Licht erblicken, heißen sie Entwürfe und sind in ihrem Verhalten Embryonen nicht unähnlich, sehen aber ganz anders aus. Gleich nach der Geburt absolviert fast jeder Plan ein Planungsstudium, manche wirken danach ziemlich zerzaust. Pläne kommen auch in der Tierwelt vor, selten, aber doch. Das bekannteste Exemplar ist die Planierraupe, das dümmste der Hund Rantanplan. Aber auch in jedem Plan kann ein ziemlich dicker Hund stecken. Jede Landeshauptstadt verfügt über ein Stadtplanungsamt. Dort werden verworfene Pläne rund um die Uhr wieder ausgegraben und das sieht man dann auch.

Jeder Mensch braucht einen Plan. Hat er gar keinen, tut es zur Not ein Stadtplan auch. Eine wichtige Rolle in unserem Leben spielen Fahrpläne. Auf ihnen sind viele Zahlen zu finden, die man sich keineswegs alle merken muss. Züge zum Beispiel neigen dazu, auf jede planmäßige Ankunft zu pfeifen. Überhaupt gilt: Viele öffentliche Verkehrsmittel sind mit einem nur ihnen bekannten Geheimplan unterwegs. Grundsätzlich spricht nichts gegen Geheimpläne, vorausgesetzt, die eigens dafür ins Leben gerufenen Geheimagenten bekommen keinerlei Wind davon. Die verheerenden Folgen werden im Kino und im Fernsehen gezeigt. Kommt erst einmal eine Doppelnull ins Spiel, ist jeder Plan im Eimer. Minimum. Zum Glück spielt das für unsere weiteren Planungsbetrachtungen keine Rolle.

WAS MAN WISSEN SOLLTE

Geplant wurde praktisch, seit es die Menschen gibt. Sonst säßen wir heute ohne Feuer oder künstliches Licht da und auch die Lötlampen und Dübelbohrer würden nicht funktionieren. Angeblich entstand die Erde und all das, was da weiß draußen um uns herumfliegt, nach einem ausgeklügelten Schöpfungsplan. Wer überzeugt davon ist, darf sich Kaplan nennen. Historisch betrachtet, gab es viele große Pläne. Einer der bekanntesten Pläne des 20. Jahrhunderts ist der Marshall-Plan. Er half in den Nachkriegsjahren, die Wirtschaft, speziell in Deutschland, wieder anzukurbeln. Heute heißt die Kurbel Angela Merkel und wird, bei entsprechend hohem Sympathie-Anerkennungs-Planwert (kurz: SAP oder SAPW) liebevoll Mutti genannt. Der Wunsch ist die Mutter aller Pläne. Dies erfordert Ansporn. Daher sollte das Wort Motivation durch Muttivation ersetzt werden. Eher alt sieht die Planwirtschaft aus. Außer in Kuba. Dort erhielten die Bewohner von einem der letzten noch verbliebenen Handelspartner, China, rund zehn Millionen Reiskocher in simpler, aber halbwegs stabiler Standard-Ausführung, also mit robuster Stehfähigkeit, außer auf Tischen oder anderen, halbwegs ebenen Flächen. Die List dabei: Als Gegenleistung hatte sich die kubanische Regierung schon ein Jahr zuvor dazu verpflichtet, ab sofort die gesamte Reisernte des Landes nach China zu liefern. Dies nennt man einen ausgekochten Plan.

WAS ZU BEDAUERN IST

Im Liedgut, das gerne gehegt und gepflegt wird, findet der Begriff „Plan“ kaum Beachtung. Obwohl sich Vielerlei damit wegreimen lässt – vom Schwan bis zum Kran, der herrenlos, aber sehnsüchtig im schönen Licht der Abendsonne steht. Die heimliche Hymne einiger Werbeagenturen lautet „Kein schöner Plan in dieser Zeit ...“, aber die sollte man gleich wieder vergessen. Das Schunkellied „Plantanamera“ hat sich nur auf Mallorca durchgesetzt, aber erst nach zehn Maß. Wir lernen daraus: Manche Urlaubspläne werden gebrochen. Auch interessant: Zum Aufstellen von Zelten braucht man Pläne und Planen zugleich. Planen kann man viel, plänen nicht, planieren schon, notfalls auch das windschiefe Zelt. Merksatz: Je planmäßiger Menschen vorgehen, desto zielsicherer trifft sie der Zufall oder sonst etwas.

Ein abschreckendes Beispiel sind die Saurier. Sie standen planlos, aber viel zu dicht aneinander gedrängt herum, ehe sie durch niederprasselnde Riesentrümmer restlos geplättet wurden. Furchtbar. Das Risiko, dass wir unsererseits demnächst von herab sausenden Sauriern getroffen werden, liegt allerdings bei 1 : 1.000.000.000. Ein Notfallplan kann her, Pflicht oder weitblickende Planung ist das eher nicht.

WAS MAN ZULETZT ODER GAR NICHT WISSEN SOLLTE

Einmarschplan, Rüstungsplan, Planquadrat. Eine wichtige und gewichtige Rolle im Leben vieler Menschen spielt der Speiseplan. So sehen sie auch aus. Allein die Lektüre von Diätplänen macht sie auch nicht schlanker. Haben Politiker oder Regierungen in Krisenzeiten absolut keine Orientierung mehr, erklären sie häufig, „bestens aufgestellt“ zu sein. Letzter Merksatz: Auch so kann man erkennen lassen, eigentlich gar keinen Plan zu haben. Und das sollte bei diesem Exkurs unbedingt vermieden werden.

Eine Geschichte drängt sich noch in den Sinn, vielleicht planlos, zufällig oder gar frei erfunden. Sie führt nach China (nicht wegen der Reiskocher). Ein Maler arbeitete sein gesamtes Leben lang an einem einzigen Bild und vereinsamte dabei erheblich. Schließlich aber wurde das Bild doch fertig. Der Maler lud doch noch verbliebene Freunde, Bekannte und Neugierige zur Betrachtung seines Werkes ein. Sie umstanden das Bild und bestaunten es ehrfurchtsvoll. Ein geschwungener Weg war darauf zu sehen; er führte einen kleinen Hügel hinauf, zwischen Wiesen und Bäumen, hin zu einem kleinen, aber überaus behaglichen Haus auf der Anhöhe. Als sich die Betrachter begeistert dem Maler zuwenden wollten, war dieser nicht mehr da. Sie blickten wieder auf das Bild, nun aber völlig irritiert. Denn dort ging der Mann auf dem Weg die idyllische Anhöhe hinauf, er öffnete die Tür des Hauses, lächelte noch einmal, winkte freundlich - dann verschwand er, sorgfältig die gemalte Tür hinter sich verschließend.

Er hatte seinen Lebensplan vollendet, mit größter Konsequenz. Dies ist die eine Lektion. Die zweite lautet, sich den einen oder anderen Baum hinzuzudenken, vielleicht auch nur einige weitere Zweige, und bisher scheinbar Unbekanntes, Unbedachtes, Ignoriertes, Übersehenes, in Betracht zu ziehen. Vorerst aber gilt: auf das Stöbern nicht vergessen, in diesem wunderbaren Blog.

AUTOR

Werner Krause ist Kulturredakteur bei der „Kleinen Zeitung“ und zeichnete rund fünf Jahre lang für die „Humanic“-Werbung verantwortlich. Ein Ergebnis dieser Tätigkeit war die Wortschöpfung „CUM A HIN“.

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