Gründer und Geschichte

Die ersten Grundzüge zur kryptografisch abgesicherten und transparenten Verkettung von einzelnen Informationen in Blöcken wurde 1991 von Stuart Haber & W. Scott Stornetta beschrieben. 1996 folgte mit Ross J. Anderson und 1998 Bruce Schneier & John Kelsey mit weiteren Veröffentlichungen im Bereich der Kryptographie. Im Jahr 2000 wurde von Stefan Konst eine allgemeine Theorie zu kryptografisch abgesicherten Verkettungen erstellt, woraus er dann unterschiedliche Umsetzungslösungen ableitete.

Die Blockchain als Protokoll und verteilte Datenbank, die sich durch ihre Dezentralisierung kennzeichnen, entstand 2008, als Satoshi Nakamoto (ein(e) unbekannte(r) Autor/Gruppe) ein Whitepaper mit dem Titel „Bitcoin: A Peer-to-Peer Electronic Cash System“ zu Bitcoin (#BTC) beschrieb. 2009 wurde von ihm die erste Implementierung der Software Bitcoin veröffentlicht. Dies war der Startschuss für die Blockchain-Technologie und den Zugang zu einem neuen Finanzmarkt.

Mittlerweile haben sich bis zu 12500 Kryptowährungen am Markt mehr oder weniger etabliert und nehmen damit eine Marktkapitalisierung zwischen 2,5 – 2,9 Milliarden US-Dollar ein. Neben vielen Währung, sogenannte Tokens (Währung ohne eigene Blockchain) haben sich nun auch weitere Währungen, wie Litecoin (#LTC) oder DigiByte (#DGB) inkl. eigener Technologie, im Blockchain-Ökosystem etabliert und streben ein dezentrales Währungssystem an.

Technologie, Eigenschaften und Funktionen

Die Blockchain-Technologie ist ein dezentrales Transaktionsprotokoll zwischen mindestens zwei oder mehreren Parteien. Jede Veränderung wird transparent erfasst und in einem digitalen Protokoll (Kassenbuch/Ledger) festgehalten. Das Besondere an Blockchain ist die Dezentralität. Das Protokoll liegt nicht auf einem einzigen Server oder Rechner vor, es befindet sich verteilt auf unzähligen Computern. Dadurch ist niemand Besitzer des Protokolls. Weder Personen, noch Unternehmen oder Behörden können Macht über das Protokoll ausüben. Stattdessen hat jeder Protokollteilnehmer exakt die gleichen Möglichkeiten und Zugriffsrechte.

Ein solchermaßen neutrales Protokoll wie Blockchain ist fast nicht manipulierbar. Die einzige Variante um eine Manipulation vornehmen zu können, besteht in der Mehrheit der Netzhoheit. Besitzt aber nun ein Teilnehmer im Netzwerk mehr als 50 % des verteilten Datenstamms, wäre eine Manipulation denkbar.

Blockchain kennt keine Verwalter oder Administratoren. Die Mehrheit bestimmt den Umgang mit dem Protokoll. Blockchain-Transaktionen sind oft als finanzielle Transaktionen bekannt. Es kann sich aber auch um jegliche Art von Informationen handeln. Innerhalb einer Blockchain wird jede Transaktion protokolliert. Ein Vorgang kann nicht mehr unsichtbar gemacht werden.

Diese Transparenz basiert auf einem Journal der Blockchain, welches unermüdlich von den sogenannten Minern kontrolliert wird. Ein solcher Miner überprüft blockweise die abgelegten Informationen und teilt sie mit dem Netzwerk (Nodes) der angebundenen Teilnehmer. Auf diese Weise kann jeder Teilnehmer nachvollziehen, welche Aktionen in der Blockchain stattgefunden haben.

Einsatzfälle im Finanzwesen, Controlling und Supply Chain

Besonders in der Finanzwelt wird die Verwendung der Blockchain-Technologie genau beobachtet, da hier weitreichende Optionen für einen hohen Automatisierungsgrad in Finanzprozessen in Aussicht stehen. Das Thema „Smart Contracts“ ist aktuell neben „NFTs (Non-Fungible Tokens)“ ein sehr spannendes Thema. Smart Contracts sind digitale Verträge, welche die gleiche Sicherheit und Transparenz wie klassische Papierverträge haben, aber ungleich effizienter und skalierbarer sind. Smart Assets sind ein weiterer große Anwendungsbereich von Blockchains.

Wenn alle Transaktionen in Echtzeit nachverfolgt werden könnten, wäre es nur noch ein kleiner Schritt zum Internet der Dinge (IoT) und der Abbildung aller Prozesse in einer Blockchain. Dazu können z.B. Waren gehören, die ein Unternehmen durch seine Supply Chain schickt.

Ein deutsches Projekt, welches sich mit dem Thema IoT und Vernetzung der Supply Chain-Teilnehmer beschäftigt, wird von der IOTA-Foundation betrieben. Die Vernetzung der Teilnehmer, inkl. genauem Standort, aktuellem Inhaber und Eigentümer, Herkunft und Destination, öffnet dies ganz neue Einblicke in die Supply Chain – mit enormen Konsequenzen für die Qualitäts­sicherung und das Working Capital Management.

Digital Identities führen den Gedanken noch einen Schritt weiter. Eine Blockchain könnte Ihnen eine digitale Identität geben, die Sie virtuell mit Ihrem Führerschein, Ihrer Sozialversicherung etc. verknüpft und einen analogen Ausweis unnötig macht. Theoretisch können alle Dinge, die einen bestimmten Wert darstellen, als eigene Einheiten (NFTs) in einer Blockchain erfasst werden. Diese Werteinheiten erhalten dadurch eine digitale Identität und können selbständig untereinander Transaktionen eingehen. Fügt man diese unterschiedlichen Anwendungsfälle einer Blockchain zusammen, bietet sie weitreichende neuen Möglichkeiten.

Die eigentliche Revolution wird sich aber im Rechnungswesen abspielen. Aktuell wird ein systematisches Vorgehen eingesetzt, welches Ende des 15. Jahrhunderts von Luca Pacioli mit der „Doppelten Buchführung“ eingeführt wurde.

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Wenn nun dieser Verbund aus Unternehmen, Lieferanten und Kunden digitalisiert werden würde, wo zu jedem Zeitpunkt jede Transaktion zwischen den Parteien fälschungssicher nachverfolgt werden kann, dann werden langfristig keine Rechnungen mehr benötigt. Jede Transaktion wäre umgehend „notariell“ durch das gesamte Blockchain-Netzwerk beglaubigt, inkl. Prüfung und Validierung des Sachverhalts. Eine Information mit zwei bis drei Monaten Verspätung, z.B. im Versicherungsbereich, zu erhalten, käme uns dann unvorstellbar vor.

Fazit zur Blockchain-Technologie

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass jeder der auch nach zehn Jahren anfängt, sich mit dem Thema zu beschäftigen, auch heute noch als „Early Adopter“ bezeichnet wird. Zu den vielen Vorteilen, wie Dezentralisierung, und Ausfallsicherheit, die von den Anhängern schon fast Mantra artig gepredigt wird, liegen aktuell auch immer noch Schwächen (Energieverbrauch oder limitierte Skalierbarkeit) vor, die zeitnah angegangen werden müssen, um die Akzeptanz zu steigern. Aber es ist klar, dass die Unternehmen aus Industrie und Wirtschaft die Vorzüge der Blockchain erkannt haben und setzen sie für eine gesteigerte Effizienz, eine höhere Transparenz und als Kostenersparnis in ihre Prozesse ein. 

Doch die Blockchain hat auch das Potenzial, Zugang zu Finanzmitteln in armen Regionen zu bieten und die Korruption in diversen Prozessen auszuhebeln. Da es für die Blockchain so viele unterschiedliche Anwendungsbereiche gibt, scheint die Zukunft der Technologie gesichert, was mit einer stetigen Weiterentwicklung einhergeht. Betrachtet man die Technologie als Heranwachsenden, so werden die nächsten zehn Jahren entscheidend für die Entwicklung und deren Zukunft sein.

Mehr Informationen zum Thema Blockchain gibt es in einem Vortrag an der Hochschule Heilbronn der hier als Video zur Verfügung steht.

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